Projekt

InFairCom

Projektbeginn 12/2018
-
Projektende 11/2022

Ziel des Klima­vertrags von Paris ist es, die Erd­erwärmung im Vergleich zum vor­industriellen Niveau auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Die angekündigten nationalen Klima­schutz­beiträge sind unverbindlich und – aus heutiger Perspektive – unzureichend, um das langfristige Klima­schutz­ziel zu erreichen. Das Projekt „Incentives, Fairness and Compliance in International Environmental Agreements (InFairCom)“ zielt auf die Analyse von Instrumenten zur effektiven Umsetzung des Klima­vertrags von Paris ab. Insbesondere soll herausgearbeitet werden, welche Bedingungen in Bezug auf die kollektive Bestands­aufnahme der weltweiten Emissionen sowie der Finanz­transfers notwendig sind, um individuelle Klima­schutz­beiträge zu implementieren, zu kontrollieren und über die Zeit zu intensivieren. Darüber hinaus soll untersucht werden, wie Präferenzen für distributive und prozedurale Gerechtigkeit die Ent­stehung, Implemen­tierung und Ein­haltung des globalen Klima­schutz­vertrags beeinflussen. Im Rahmen des Projekts werden theoretische und empirische Methoden – sowohl aus ökonomischer als auch aus juristischer Perspektive – angewendet.

Zur Projektwebsite

Stand des Projekts

Die juristische Analyse zeigt, dass das Pariser Abkommen, das Regelbuch und die NDCs eher individuelle Gerechtigkeits­kriterien betonen als gemeinsame Kriterien vorzuschreiben. Dies erschwert die rechtliche Bewertung der Ein­haltung des Abkommens. In der Analyse bestehender internationaler Umwelt­abkommen zeigt auch, dass klar definierte Fairness­kriterien die Ein­haltung der Ab­kommen fördern. Darüber hinaus untersuchen wir in theoretischen Beiträgen die Stabilität von internationalen Umwelt­abkommen unter der Annahme, dass die Vertrags­staaten ungleich­heitsavers sind. Es wird ein optimales Transfer­system abgeleitet, das zu stabilen Koalitionen führt, die in der Lage sind hohe Wohlfahrts­gewinne zu erzielen. Unsere empirische Analyse deutet jedoch darauf hin, dass Transfers ohne klar definierter Maßnahmen zur Emissions­überwachung zu einem Anstieg der Emissionen führen könnten. In einem ökonomischen Labor­experiment testen wir den im Pariser Klima­abkommen verankerten Ratchet-Mechanismus. Wir stellen fest, dass er zu Effizienz­verlusten führen könnte. Schließlich deutet unsere Um­frage unter internationalen Klima­verhandlern darauf hin, dass die Bestimmung von NDCs durch wirtschafts­weite Ziele die international am besten anwendbare Methode zur Harmonisierung von NDCs ist.

Abbildung 1 zeigt die Ergebnisse eines ökonomischen Labor­experiments. In einem Öffentlichen-Gut-Spiel testen wir den im Pariser Klima­abkommen verankerten Ratchet Mechanismus. Ein Mechanismus, der den Vertrags­staaten vorschreibt, ihre Beiträge zum Klimaschutz über die Zeit schrittweise zu erhöhen. Als Indikator für eine erfolgreiche Zusammenarbeit nutzen wir die Kooperations­rate. Eine Kooperations­rate von 100% bedeutet, dass, im übertragenen Sinne, das global optimale Niveau an Klima­schutz erreicht wird. Wir betrachten drei unterschiedliche Versuchs­anordnungen: Erstens, eine Kontroll­gruppe (base), also eine (hypothetische) Welt ohne Ratcheting. Zweitens, ein schwaches Ratcheting (weakR), in dem die Kooperations­raten mindestens so hoch sein müssen wie in der Runde zuvor. Drittens, ein starkes Ratcheting (strongR), in dem die Kooperations­raten höher sein müssen als in der Runde zuvor. Zu Beginn sind die Kooperations­raten in weakR und strongR niedriger als in base. Ratcheting führt zwar zu einem Anstieg der Kooperations­raten im Verlauf des Experiments, der Anstieg ist aber nicht stark genug, um die anfänglichen Verluste auszu­gleichen.


Kernthesen und Befunde

  • Die weitere Prä­zisierung von Struktur­vorgaben der NDCs erhöht ihre Transparenz und er­leichtert die rechtliche Be­wertung der Ver­antwortlich­keit ein­zelner Staaten für die Pariser Klimaziele.

  • Die Verwendung des Pro-Kopf-BIP zur Inter­pretation des CBDR-RC-Prinzips und die Angabe der finanziellen Unter­stützung von Ent­wicklungs­ländern in ihren NDCs sind sinnvoll.

  • Strenge Be­dingungen für die Meldung von Bei­hilfen als Klima­finanzierung sind nötig.

  • Transfers können eine Alter­native zu einem Klima­club mit Handels­sanktionen dar­stellen.

  • Ratcheting verbessert die Ko­operation in der globalen Klima­politik nicht.


Flagship-Paper

Dannenberg, A., Gallier, C. (2019):
The Choice of Institutions to Solve Cooperation Problems: A Survey of Experimental ResearchExperimental Economics, 23,  716–749.

Gallier, C., Sturm, B. (2021):
The Ratchet Effect in Social Dilemmas. Journal of Economic Behavior & Organization 186, 251–268.

Gavard, C., Schoch, N. (2021):
Climate Finance and Emission Reducions: What Do the Last Twenty Years Tell Us? ZEW Discussion Paper.

Kesternich, M., Löschel, A., Ziegler, A. (2021):
Negotiating Weights for Burden Sharing Rules in International Climate Negotiations: An Empirical Analysis. Environmental Economics and Policy Studies 23 (2), 309–331.

Löschel, A. et al. (2021):
The Demand for Global and Local Environ­mental Protection: Experimental Evidence from Climate Change Mitigation in Beijing. Land Economics 97 (1), 137–154.

Mahabadi, D. (2021):
Enhancing Fairness in the Paris Agreement: Lessons from the Montreal and Kyoto Protocols and the Path Ahead. International Journal of Environment and Sustainable Development, forthcoming.

Manger-Nestler, C., Will, U. (2020):
Ärger mit der InfrastrukturabgabeJuristische Arbeitsblätter.

Pei, J., Sturm, B., Yu, A. (2021):
Are exporters more environmentally friendly? A re-appraisal that uses China’s micro-data. The World Economy 44(5), 1402–1427.

Rogna, M, Vogt, C. (2020):
Coalition Formation with Optimal Transfers when Players are Heterogeneous and Inequality Averse. Ruhr Economic Papers No. 20-865, Essen.

Sturm, B. et al. (2019):
Conditional cooperation in case of a global public good – Experimental evidence from climate change mitigation in Beijing. China Economic Review 56, 101308.

Will, U., Manger-Nestler, C. (2021):
Fairness, Equity and Justice in the Paris Agreement. Terms and Operationalization of Differentiation. Leiden Journal of International Law, 34 (2), 397-420.

Will, U. (2022):
Differentiation in the NDCs to the Paris Agreement – A Legal and Empirical Analysis. Carbon & Climate Law Review 16 (1), 56–72.