Projekt

DecarbLau- Mobilisierung endogener Entwicklungspotentiale für den Strukturwandel -Dekarbonisierung in einer Braunkohleregion

Projektbeginn 02/2019
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Projektende 01/2022

Die Lausitz ist eine sogenannte strukturschwache Region: ihre Wachstumsrate, ihr Beschäftigungsniveau und ihre Pro-Kopf-Produktivität sind im bundesdeutschen Vergleich unter­durchschnittlich. Die Beendigung der Braun­kohle­ver­stromung trifft somit eine Region, die bereits nach der Wende einen massiven Strukturbruch zu verarbeiten hatte. Um dem Verlust von wirtschaftlichen Potentialen vorzubeugen und um die Akzeptanz für das  Phasing Out der Braun­kohle­ver­stromung zu steigern, ist daher eine pro­aktive Struktur­politik notwendig.

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Ergebnisse des Projekts

  • Nach dem derzeitigen Ausstiegsplan wäre ein Beschäftigungsverlust von 3.600 im Jahr 2030 und 2.700 im Jahr 2038 zu erwarten. Bei hinreichenden hohen CO2-Preisen kann es schneller gehen.
  • Es gibt Regionen und Branchen mit einer hohen Industriedichte, aber keine mit einer räum­lichen Konzentration einer Branche (Cluster).
  • Die Unterstützung von lokalen Unternehmen, Kommunen und Bürger:innen ist maß­gebend für den Erfolg und die lokale Akzeptanz der Energiewendetechnologien.
  • Die BTU hat vergleichsweise wenig regionale Partner aus der Wirtschaft.
  • Die negativen Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf die Haushalte der Kommunen beschränkt deren Fähigkeit, aktiv am Strukturwandel teilzunehmen.

 

Abbildung zu den Projektergebnissen

Teilprojekt 1 befasste sich mit dem Einfluss hoher Kohlenstoffpreise auf den Betrieb und die Stilllegung von Kohlekraftwerken in Deutschland. Zu diesem Zweck wurde ein quantitatives Stromsystemmodell erstellt, das verschiedene Kohleausstiegsszenarien berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Kohleausstieg die Braunkohlekapazität im Durchschnitt um 2,4 GW und die Steinkohlekapazität um 8,3 GW reduziert (zwischen 2022 und 2040). Darüber hinaus reduziert der höhere CO2-Preis die Braunkohlekapazität um durchschnittlich 6,5 GW und die Steinkohlekapazität um 8,0 GW (zwischen 2022 und 2038).


Kernthesen und Befunde

  • Vorbehaltlich der Folgen der Ukraine­krise, ist der Kohle­ausstieg deutlich vor 2038 möglich, wenn die CO2-Emissions­­preise so hoch bleiben.
  • Aufgrund des ökologischen Struktur­wandels ist für einen Teil der Lausitz (in Branden­burg) eine nach­holende Ent­wick­lung möglich.
  • Die Lausitz bietet ein hohes Energie­wende­­potenzial – erweitert durch die Tage­­bau­­flächen.
  • Es müssen Anreize zur Zusammen­arbeit zwi­schen Teil­­regionen/­Gemeinden ge­schaf­fen werden.
  • Die Innovations­politik ist zentraler Hebel zur Be­wältigung des Struktur­wandels.

Flagship-Paper

Jansen M., Staffell I., Kitzing L., Quoilin S., Wiggelinkhuizen E., Bulder B., Riepin I., Müsgens F. (2020):
Offshore wind competitiveness in mature markets without subsidy. Nature Energy 5: 614-622.

Nagel, M.; Zundel, S (2021):
Legenden oder Leitbilder? - Ausgewählte Narrative der Lausitz. Schriftenreihe des Fachgebiets Allgemeine VWL mit dem Schwerpunkt Energie- und Umweltökonomik - BTU.

Nagel, M.; Zundel, S. (2021):
Eine Region unter der Lupe Versteckte Wirtschaftspotentiale in der Lausitz. Schriftenreihe des Fachgebiets Allgemeine VWL mit dem Schwerpunkt Energie- und Umweltökonomik - BTU.

Scholz, D., Zundel, S., Müsgens, F. (2019):
Price and Employment Effects triggered by a German Coal Phase-Out – A Discourse Analysis. IEEE Conference Proceedings EEM 2019.

Titze, M. (2020):
Kohleausstieg und Strukturwandel – Zur Wirksamkeit von Regionalpolitik. In: Senius, Kay; Höffken, Wolfgang (Hrsg.). Kohleausstieg und Strukturwandel in Sachsen-Anhalt. Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro Sachsen-Anhalt. Magdeburg: 36-43.