Projekt

IF- Finanzinstrumente für Investitionen in emissionsarme Infrastructure

Projektbeginn 12/2018
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Projektende 09/2022

Die Ambition des Pariser Klimaabkommens, massiv auch Kapital aus dem Privatsektor für Klimafinanzierung zu mobilisieren, wird einen Finanzierungsmangel verschärfen, der insbesondere im Bereich von Infrastruktur durch die Langfristigkeit und schlechte Liquidität solcher Investitionen groß ist. Das Projekt untersucht Finanzierungsinstrumente für emissionsarme Infrastrukturen sowie deren Attraktivität und Passgenauigkeit für verschiedene Investorengruppen. Investitionsoptionen sollen identifiziert und Faktoren herausgearbeitet werden, die emissionsarme Infrastrukturen für Haushalte und institutionelle Investoren attraktiv machen. Es werden sowohl Investitionsbarrieren, als auch Investorenpräferenzen und das Potential zur Emissionsvermeidung untersucht.

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Stand des Projekts

Die Datenerhebungen bestehender Finanzierungsprodukte und der finanziellen Performance unterschiedlich emissionsintensiver Firmen sind abgeschlossen, und der Abschluss der groß angelegten Haushaltsbefragung steht nach pandemiebedingter Verzögerung unmittelbar bevor. 
Als vorläufige Ergebnisse der Datenanalyse zeigt sich,insbesondere nach Abschluss des Pariser Klimaabkommens, für Unternehmen mit emissionsarmem Portfolio eine bessere finanzielle Performance. Befragungsdaten zeigen, dass die Akzeptanz für klimapolitische Förderprogramme bei Haushalten abnimmt, wenn diese eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, wie z.B. durch die Coronapandemie befürchten. Als Grund für fehlende Finanzierung für Infrastrukturprojekte wurde in einem Modell zu Portfolioentscheidung der Investoren deren geringe Liquidität identifiziert. Schließlich ist zu Staatsfonds zur Finanzierung langfristiger Investitionen als Kernfrage des Projektes bereits ein Diskussionspapier entstanden, dass zu dessen Ausgestaltung Kreditzinsnachlässe für klimafreundliche Projekte bzw. Unternehmen vorschlägt.

Vorläufige Ergebnisse des Projekts

Die Abbildung zeigt die aggregierten Emissionsminderungspotenziale (berechnet mit den Medianen der Inputs und Outputs über den Zeitraum 2012-2016) für die Sektoren A bis H (links) und 16 europäische Länder (rechts). Auf der y-Achse sind Megatonnen CO2-Äquivalente abgebildet. Die aggregierten (über Länder oder Branchen) tatsächlichen Treibhausgasemissionen sind als offene Kreise dargestellt, die durch eine gestrichelte Linie verbunden sind. Die berechneten potenziellen Emissionsreduktionen sind als durchgehende Punkte dargestellt, die durch eine durchgezogene Linie verbunden sind. Die vertikalen Linien zeigen die Größe der 95%-Konfidenzintervalle. Es zeigt sich, dass sich die aggregierten Emissionsreduktionspotenziale auf bestimmte Sektoren (verarbeitendes Gewerbe C, Energie und Wasser DE und Verkehr H) und bestimmte Länder (Deutschland, Großbritannien und Polen) konzentrieren. In welchem Ausmaß und in welchem Zeitrahmen die Reduktionspotenziale realisiert werden können, muss eine offene Frage bleiben.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse des Projekts wurde auf dem finalen Workshop des Themenschwerpunkts vorgestellt und ist hier zugänglich.


Kernthesen und Befunde

  • Eine öffentliche Daten­bank mit Melde­pflicht für alle kohlen­stoff­armen Infra­struktur-Investitions­produkte könnte dazu beitragen, die hohen Such- und In­for­ma­tions­­kosten für Einzel­­inves­toren zu senken.

  • Die Auf­stellung von Re­finanzierungs­instrumenten, die es Investoren er­lauben, ihre lang­fristige In­vestitionen als Kredit­sicherheit zu benutzen würde solche In­vestitionen attraktiver machen.

  • Die hohe Kapital­intensität von er­neuerbaren Energien erfordert die Unter­stützung des Energie­sektors durch Sub­ventionen oder anderen Maßnahmen, die das Risiko für Investoren reduzieren oder die Pro­fitabilität im Energie­­sektor ver­bessern.

  • Bei Privat­anleger:innen in Europa ist mit Unter­stützung des Trans­­for­ma­tions­­prozess zu rechnen, wenn ent­sprechen­de Mög­lich­keiten ge­schaffen und be­worben werden.


Flagship-Paper

Edenhofer, O., Klein, C., Lessmann, K., Wilkens, M. (2020):
How the ‘Green Deal’ Can Provide the Right Incentives: A Proposal for The Design of a Fund for Public Financing of Sustainable Businesses and Real InvestmentsSSRN.

Edenhofer, O., Lessmann, K., Tahri, I. (2021):
Asset Pricing and the Carbon Beta of Externalities. CESifo Working Paper No. 9269.

Engler, D., Groh, E.D., Gutsche, G., Ziegler, A. (2021):
Acceptance of climate-oriented policy measures under the COVID-19 crisis: An empirical analysis for Germany. Climate Policy 21 (10).

Engler, D., Gutsche, G., Smeets, P. (2021):
Individual preferences for sustainable investments across Europe – A framed field experiment in five countries. OSF Registries.

Yanovski, B., Lessmann, K., Tahri, I. (2020):
The Link between Short-Termism and Risk: Barriers to Investment in Long-Term Projects. SSRN.

Yanovski, B., Lessmann, K. (2021):
Financing the Fossil Fuel Phase-Out. SSRN.