Projekt

NostaClimate- Die Relevanz nichtstaatlicher Akteure für individuelle Klimaschutzaktivitäten und Klimapolitik

Projektbeginn 11/2018
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Projektende 07/2022

Nationale Gesetze und Regulierungen, die durch staatliche Akteure beschlossen werden, rei­chen voraussichtlich nicht aus, um die Emissions­ziele aus dem Pariser Klima­abkommen zu er­­rei­chen. Freiwillige Klima­schutz­maßnahmen von soge­nannten nicht­­staatlichen sowie in­di­vi­­duellen Akteuren können dabei helfen, diese Lücke zu schließen. Während sich frühere Stu­dien intensiv mit staatlichen und individuellen Akteuren befasst haben, beschäftigt sich NostaClimate mit der Rolle nicht­staatlicher Akteure sowie deren Wechsel­wirkung mit staat­lichen und indivi­duellen Akteuren im Hinblick auf Klima­­schutz­aktivitäten und Klimapolitik. Wir konzentrieren uns haupt­sächlich auf Kommunen, Kirchen und Arbeitgeber als nicht­staatliche Akteure. Darüber hinaus untersucht NostaClimate, wie die COVID-19 Pandemie, die ein zusätzliches Gesundheits­risiko aber auch große finanzielle Unsicher­heiten in den All­tag der Bürger:innen bringt, Einfluss auf individuelle Klima­schutz­aktivitäten und individuelle Unter­stützung der Klima­­politik nimmt.

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Ergebnisse des Projekts

Die Auswertungen der Experimente und Befragungen zeigen, dass Kommunen und Kirchen über verschiedene Kanäle Einfluss auf individuelles Klima­schutz­verhalten nehmen können. Zum Beispiel zeigt die Analyse einer Kommunal­befragung, dass sich Kommunen im Klima­schutz in einer Vorbild­rolle sehen und im Austausch mit der Zivil­gesellschaft sowie anderen Kommunen stehen. Die Interaktion mit höheren Verwaltungs­ebenen ist laut der Befragung eher begrenzt. Experi­men­telle Ergebnisse zeigen, dass der Einfluss der Kommunen über ihre Vorbild­funktion jedoch eher schwach ist, wohingegen das Verhalten anderer Bürger einen stärkeren Einfluss auf indi­vi­duelles Klima­schutz­verhalten hat. Im Vergleich dazu zeigt ein Feld­experiment mit einer religiösen Institution (d.h. der Katholischen Kirche) als nicht­staatlicher Akteur, dass individuelles Klima­schutz­verhalten durch eine unterstützende Haltung der Institution zum Thema Klima­schutz verstärkt werden kann.

Die empirische Analyse des Einfluss der Corona-Krise auf indivdiuelle Einstellungen zur Klima­politik weist darauf hin, dass sich die Unter­stützung für klima­politische Maßnahmen (zu­min­dest in der erste Welle der Pandemie) nicht stark verändert hat. Unsere Analysen zeigen je­doch auch, dass ökono­mische Bedenken wie z.B. individuelle Sorgen um die persönliche wirt­­schaft­­liche Situation dazu führen können, dass einzelne klima­politische Maß­nahmen, z.B. eine Erhöhung des CO2-Preises, deutlich weniger befür­wortet werden.

Abbildung zu den Projektergebnissen

Die dargestellte Grafik zeigt die Ergebnisse eines unserer Feld­experimente, in welchem die (Wechsel-)beziehungen zwischen nicht­staat­lichem und indi­vi­duellem Klima­schutz­engagement unter­sucht wurden. Die Frage­stellung nach der Wechsel­wirkung wurde in einem ex­pe­ri­men­tellen Design um­gesetzt, um zu unter­suchen, inwie­weit eigene Klima­schutz­beiträge von einem Ver­gleich zu ver­schie­denen Referenz­gruppen beein­flusst wer­den. Diese Klima­spende wurde demnach in drei ver­schie­denen Kon­texten prä­sen­tiert, in denen drei unter­schied­liche Referenz­gruppen (Basis­gruppe ohne Referenz, Mitbürger:innen, Stadt) genannt wurden. Die Messung der Wechsel­wirkungen basierte im Experiment wiederum auf der in­di­vi­duellen Zahlungs­bereit­schaft für Klima­schutz in Form einer Baum­spende zur Bindung von Kohlen­stoff­dioxid aus der Luft. Die Analysen zeigen, dass ins­beson­dere das Ver­halten der Mit­­bür­­ger:innen eine wichtige Rolle für die in­di­vi­duelle Klima­spende spielt, während der Hinweis auf das städtische Engagement einen weitaus weniger starken Einfluss auf die individuelle Zahlungs­bereit­schaft hat (siehe Grafik).


Kernthesen und Befunde

  • Nicht­staatliche Akteure tragen schon heute einen erheblichen Teil zum Klima­schutz bei.

  • Die Stärkung individueller Klima­schutz­aktivitäten kann insbesondere durch die Vorbild­funktion von Mit­bürgerinnen und Mit­­bürgern erzielt werden, aber auch Ak­ti­vi­täten von nicht­­staatlichen Akteuren wie z.B. Unternehmen und Kirchen­gemein­schaften erhöhen das in­di­viduelle En­ga­ge­ment.

  • Weitere For­schung ist nötig, um die Rolle anderer nicht­­staatlicher Akteure sowie relevanter Co-benefits von Klima­schutz zu untersuchen.


Flagship-Paper

Engler, D., Groh, E.D., Gutsche, G., Ziegler, A. (2021):
Acceptance of climate-oriented policy measures under the COVID-19 crisis: An empirical analysis for Germany. Climate Policy 21 (10): 1281-1297.

Feldhaus,  C., Gleue, M., Löschel, A. (2022):
Can a Catholic institution promote sustainable behavior? Field experimental evidence on donations for climate protection. Journal of Behavioral and Experimental Economics 98, 101855.

Helferich, M., Schmittel, N., Dütschke, E., Hanss, D. (2020):
Warum Bürgerinnen und Bürger aktiv werden: Einblick in den Zusammenhang von kommunalem und individuellem Klimaschutzengagement. Umweltpsychologie 24 (1): 142-152.

Minnich, A. (2022):
Do fans’ emotions influence charitable donations? Evidence from monetary and returnable cup donations in German soccer stadiums. Journal of Behavioral and Experimental Economics 96: 101807.

Bartels, L., Kesternich, M., Löschel, A. (2021):
The Demand for Voluntary Carbon Sequestration – Experimental Evidence From a Reforestation Project in Germany. ZEW Discussion Paper No. 21-088. [Currently under review in peer-reviewed journal.]