Projekt

ROCHADE- Klimapolitik und Vermeidungsstrategien in global vernetzten und in sich entwickelnden Volkswirtschaften: Die Rolle von Strukturwandel und Verteilungseffekten

Projektbeginn 01/2019
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Projektende 06/2022

Das Projekt analysiert klimapolitische Verteilungseffekte unter Be­rücksichtigung der Rolle des Strukturwandels. Insbesondere wird untersucht, inwieweit ambitionierte Klimapolitik den Über­gang von Agrar- zu modernernen Industrie- und Dienst­leistungs­gesell­schaften verlang­samt. Es werden die Abhängigkeiten von Struktur­wandel und wirtschaftlichem Wachs­tum sowie deren Einfluss auf den Abbau von Armut untersucht, Wechselwirkungen zwischen Strukturwandel und Klimawandel betrachtet, sowie Politikmaßnahmen zur Minderung nega­tiver Verteilungs­effekte analysiert. Die Analyse von Ver­teilungs­­effekten erfolgt sowohl auf der Ebene von Volks­wirt­schaften als auch von Haushalten.

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Ergebnisse des Projekts

(I) Die Nutzung von Kohle korreliert, historisch gesehen, positiv mit ökono­mischem Wachs­tum und Armuts­minderung; Kohle­kraft­werke bewirken signi­fi­kante regionale Wachstums­effekte in der Zeit nach Inbetrieb­nahme. (II) Inter­natio­naler Handel und Kapital­akku­mu­lation för­dern die internationale An­gleichung sektoraler Strukturen. In diesem Millenium lässt sich jedoch auch eine handels­induzierte Spezia­lisierung in CO2-intensiven Sektoren beobachten. (III) Unter Bei­be­haltung der aktuellen Handels­politik, sind Entwicklungs­länder am stärksten von Wohlfahrts­verlusten durch den Klima­wandel betroffen. (IV) Konsum­effekte der Klima­politik treffen in Deutsch­land ärmere Haus­halte am stärksten, Einkommens­effekte dagegen reiche. Mit Pro-Kopf-basierter Ver­teilung von Einnahmen aus der CO2-Bepreisung profitieren die ärmeren Haus­halte von Klima­politik. (V) Verteilungs­effekte von Struktur­wandel sind in Entwicklungs­ländern potenziell größer und wirken stärker regressiv als die von Klima­politik. Klima­politik bremst tendenziell den Struktur­wandel durch den Rück­gang ökono­mischer Aktivitäten im Industrie­sektor.

Abbildung zu den Projektergebnissen

Die Ergebnis­grafik zeigt die resultierenden Ver­tei­lungs­effekte (durch Preis­änderungen ver­ur­sachte Konsum­verluste oben und Ein­kommens­verluste unten) jeweils als Differenz zwischen einem Szenario mit und ohne Klima­politik (rote Linie) bzw. einem Szenario mit und ohne Struktur­wandel (blaue Linie). Die Ergebnisse werden hier für drei SSPs und beispiel­haft für ein Handels­modell (KITE) dar­ge­stellt. Diese Grafik ermög­licht den direkten Ver­­gleich der Verteilungs­wirkung von Klima­politik und Struktur­wandel. Diese Art von Vergleich existiert unserer Kennt­nis in der Li­te­ratur noch nicht und stellt somit eine Inno­vation dar. Die Ergeb­nisse der Indien-Studie können quali­tativ wie folgt zusammen­gefasst werden: 1) Aggregiert über alle Haushalte: Sowohl Klima­politik als auch sektoraler Struktur­wandel (Agrar, Industrie, Dienst­leistungen) haben durch Preis- und Einkommens­änderungen negative Aus­wirkungen auf die Konsum­möglichkeiten. Konsum­verluste durch Struktur­wandel sind ungefähr doppelt so groß wie durch Klima­politik. 2) Verteilungs­effekte: Sowohl Klima­politik als auch Struktur­wandel wirken regressiv. Die Konsum­möglichkeiten ärmerer Haus­halte sind in beiden Fällen stärker beein­trächtigt. Die Spanne der Konsum­änderungen zwi­schen armen und reichen Haus­­halten ist jedoch beim Struktur­wandel mehr als doppelt so groß wie bei der Klima­politik. 3) Die Ergeb­nisse sind robust über verschie­dene sozio-ökono­mische Szenarien (SSPs). 4) Maßnahmen zur Rück­verteilung von Steuer­einnahmen (z.B. CO2-Steuer) sollten neben den nach­teiligen Effekten von Klima­politik auch diejenigen von Struk­tur­­wandel berück­sichtigen. Staatliche Industrie­politik sollte ärmere Haus­halte unter­stützen, in den Industrie- oder Service­sektor zu wechseln.


Kernthesen und Befunde

  • Die Nutzung von Kohle korreliert, his­to­risch gesehen, positiv mit öko­nomischem Wachs­tum, In­dustriali­sierung und Armuts­minderung; Kohle­kraftwerke be­wirken sig­ni­fi­kante regionale Wachs­tums­effekte in der Zeit nach In­betrieb­nahme.
  • Internationaler Handel und Kapital­akku­mu­lation fördern die internationale An­glei­chung sektoraler Strukturen. In diesem Millenium lässt sich jedoch auch eine han­dels­induzierte Spe­zialisierung in CO2-in­ten­siven Sektoren beobachten.
  • Unter Bei­behaltung der aktuellen Handels­politik, sind Entwick­lungs­länder am stärks­ten von Wohl­fahrts­verlusten durch den Klima­wandel betroffen.
  • Konsum­effekte der Klima­politik treffen in Deutschland ärmere Haus­halte am stärks­ten, Einkommens­effekte dagegen reiche. Mit Pro-Kopf-basierter Verteilung von Ein­nahmen aus der CO2-Bepreisung pro­fi­tieren die ärmeren Haus­halte von Klima­politik.
  • Verteilungs­effekte von Struktur­wandel sind potenziell stärker als die von Klima­politik.

Flagship-Paper

Fischer, C., Hübler, M., Schenker, O. (2021):
More Birds than Stones – A Framework for Second-best Energy and Climate Policy Adjustments. Journal of Public Economics 203: 104515.

Hübler, M., Pothen, F. (2021):
Can Smart Policies Solve the Sand Mining Problem? PLOS ONE 16 (4): e0248882.

Kalkuhl, M., Steckel, J. C., Montrone, L., Jakob, M., Peters, J., Edenhofer, O. (2019):
Successful coal phase-out requires new models of development. Nature Energy 4: 897-900.

Marcolino, M. (2022):
Accounting for Structural transformation in the U.S. Journal of Macroeconomics 71: 103394.

Montrone, L., Kalkuhl, M., Steckel, J. C. (2022):
The type of power capacity matters for economic development - Evidence from a global panel. Resource and Energy Economics 69: 101313.